4. Juli 2015

Reisebericht: Guinness, Wiese, Stein - Rundreise durch Irland


Während sich in Deutschland alle nach getaner Arbeit auf die Couch lümmeln und den Tag mit einem Film ausklingen lassen, ziehen die Iren los in die Pubs. Ein Guinness, etwas Live-Musik, lustiges Tanzen – und der Abend ist perfekt. Aber stimmt das auch wirklich? Ist Irland wirklich so, wie es in Reiseberichten, Dokumentationen und Fotos dargestellt wird?

Meine Familie und ich wollten das herausfinden. Also ging es mit gepackten Koffern nach Dublin, wo unsere einwöchige Autorundreise durch Irlands Süden beginnen sollte. Bei unserem Glück gab es erst einmal Probleme mit dem Leihwagen (zu viert mit unzähligen Koffern eine ganze Woche in einem Fiat herumfahren? Etwas knapp bemessen!), doch dann ging es endlich los.




  • Landschaft

    Irland ist der Inbegriff von grünen Wiesen, von weitläufiger Landschaft und alten Friedhöfen mit verwitterten Grabsteinen. Natürlich wollten wir genau so etwas sehen. Gelungen ist es uns – wenn wir bewusst die normale Straße verlassen haben, um uns in abgelegene Gebiete zu schlagen. Sonst bekamen wir zwar viel Grün zu Gesicht, allerdings nur von den Büschen und Bäumen, die die unvorstellbar schmalen Straßen einrahmen. Wenn überhaupt konnten nur meine Mutter, meine Schwester und ich die Landschaft genießen, weil sich mein Vater mit unserem großen Leihwagen (hier wäre der Fiat wohl doch besser gewesen…) konzentrieren musste, um nicht in einer der kleinen Steinmauern am Fahrbahnrand zu landen oder den Gegenverkehr zu streifen, der zu unserem Grauen natürlich auch noch von der „falschen“ Seite ankam.

    Da Irland ja bekanntlich eine Insel ist, wollten wir auch unbedingt das Meer sehen. Bei den „Cliffs of Moher“, die berühmten Steilklippen im Südwesten, bin ich aus dem Staunen gar nicht mehr herausgekommen! Schade nur, dass dieser Ort wie so viele andere von Touristen regelrecht überlaufen ist und dementsprechend auch ordentlich Eintritt kostet. Damit wurden wir im Laufe unserer Reise immer wieder konfrontiert: die Eintrittspreise. So kostet eine Kirchenruine gleich mal 12 € pro Nase – mit der Zeit hatten wir von dieser scheinbaren Abzocke dann doch genug.

Cliffs of Moher


  • Essen

    Ehrlich gesagt haben wir schon im Vornerein gesagt: Das mit dem Essen wird in Irland sowieso nichts. Wer nämlich an leckere Pasta oder andere mediterrane Gerichte wie in Italien denkt, ist hier eindeutig fehl am Platz. Gerade das Frühstück ist für uns vom Festland dann doch etwas gewöhnungsbedürftig – wenn man nicht wie meine Schwester im Herzen Irin oder Engländerin ist und bereits morgens Würstchen, Speck und Rührei verdrücken kann. Wir anderen haben da lieber auf das „Kontinental-Frühstück“ zurückgegriffen, wie es liebevoll von den Iren genannt wird: Toast, Butter, Marmelade und manchmal auch Honig.
    Voller Erstaunen mussten wir dann jedoch feststellen, dass man in den Pubs oder auch in anderen Restaurants recht gut essen kann! Mal abgesehen davon, dass Iren zu allem (wirklich allem, sogar Pizza!) „Chips“, bei uns als Pommes bekannt, essen, war die Auswahl von Fleisch- und Fischgerichten groß. Einzig allein die vegetarische Lebensweise scheint auf dieser Insel noch keinen Einzug gefunden zu haben. Vielleicht kommt das ja noch.



  • Ausgehen

    Wer kennt sie nicht? Die gemütlichen Pubs, in denen Guinness getrunken und lustige Live-Musik gespielt wird? Wieder so ein typisches Bild von Irland, das wir natürlich kennenlernen wollten. Also haben wir mehrfach Pubs aufgesucht und wurden auch nicht enttäuscht. Die Musik war klasse, teils haben sich ein paar Musiker gerade zum ersten Mal gesehen und einfach improvisiert. Dazu eine urige Einrichtung und (zumindest für meine Eltern – meine Schwester und ich konnten uns damit nicht wirklich anfreunden) ein Guinness und der irische Abend war perfekt. Hier wurden unsere Erwartungen eindeutig erfüllt, man sollte nur aufpassen, nicht in irgendeiner Touristen-Falle zu landen, bei der diese authentische Stimmung nicht annähernd erreicht wird. Wenn man mit dem für die Iren typischen „hey folks“ begrüßt wird, ist man aber schon mal auf einem guten Weg.




  • Schlafen

    Bis auf wenige Hotels hatten wir oft schöne Unterkünfte. Ganz bekannt sind natürlich die „Bed & Breakfast“, bei denen Privatpersonen Zimmer zum Übernachten sowie ein Frühstück für geringes Geld anbieten. Unsere Gastgeberin war absolut liebenswürdig – und hat uns auch noch nach 23 Uhr seelenruhig am Telefon die Wegbeschreibung erklärt, sodass wir dann doch irgendwann angekommen sind. Liebevoll eingerichtete Zimmer und frisch zubereitetes Frühstück, wir haben uns auf jeden Fall wohlgefühlt!
    Ein anderes Highlight war ein Herrenhaus, ebenfalls eine Art Unterkunft, die es in Irland zu Hauf gibt. Diese Häuser strahlen eine Eleganz aus und versetzen einen in eine andere Zeit. Auch wenn sie meist eher abseits liegen, lohnt sich die Fahrt auf jeden Fall. Bei uns lief im Frühstücksraum leichte Klassikmusik, die Tapeten und Teppiche waren zart gemustert, die Stühle mit Samt bezogen und zum Frühstück gab es eine kleine Karte… ein Ausflug in ein anderes Leben voller Luxus, der sogar recht erschwinglich vom Preis ist und somit bei jedem Irland-Urlaub auf dem Plan stehen sollte.





Eine Woche für den gesamten Süden Irlands? Unserer Meinung nach viel zu kurz! Oft konnten wir an Orten, die uns interessierten, nicht länger bleiben, weil wir noch eine beträchtliche Strecke bis zu unserer nächsten Unterkunft zurücklegen mussten. Somit sind wir leider meist auch nur bei den hochangepriesenen Touri-Orten gelandet, von denen mehr geschwärmt wird, als dass wirklich etwas dahinter steckt. Wenn wir aber dann doch mal kleinere Wege eingeschlagen haben, sind wir auf nette Plätze und auch das typische Irland gestoßen, wie wir es uns vorgestellt haben. Unser Tipp: Lieber selbst eine Route erstellen und dabei unbedingt genug Zeit fürs Besichtigen einplanen – dann kann man vielleicht nicht ganz Irland sehen, aber zumindest den Teil, für den die Zeit bleibt, dann richtig entdecken.



2 Kommentare:

  1. Liebe Janne,

    direkt von Lovelybooks hat es mich hier auf deinen Blog verschlagen, der mir auch noch so gut gefällt, dass ich gleich als Leserin bleibe.^^ Dieser Bericht ist wirklich toll und weckt das Fernweh. Irland fehlt mir noch und ist ganz offensichtlich eine Tour wert. ;-)

    Sonnige Grüße,
    Hibi

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Besucht mich bald wieder! :-)

Liebe Grüße, Janne